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Wohnen / 2017

Das unbestimmte Haus

Vom Besitzen zum Teilen: gemeinschaftliches Wohnen mit fliessenden Grenzen zwischen privaten und gemeinsamen Räumen

Ort
Bomun-dong, Seoul, Südkorea
Typologie
Wohnen
Status
Entwurfsprojekt
Jahr
2017
Wohnmodell mit kleinen privaten Zimmern und gemeinsamen Wegen
Wohnmodell mit kleinen privaten Zimmern und gemeinsamen Wegen

Welche Art von Zuhause brauchen junge Menschen, die allein leben? Das unbestimmte Haus schlägt für Bomun-dong eine gemeinschaftliche Wohnform vor, die kleine private Zimmer mit flexibel nutzbaren gemeinsamen Räumen verbindet. Statt die Bedeutung und Nutzung jedes Raums vorzugeben, überlässt der Entwurf den Bewohnerinnen und Bewohnern die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Leben. Durch das Teilen wächst das Zuhause über das einzelne Zimmer hinaus.

Vom Besitzen zum Teilen

Für junge Menschen mit hohen Wohn- und Lebenshaltungskosten ist eine grössere eigene Wohnung nicht die einzige Antwort. Der Entwurf verkleinert das private Zimmer und ermöglicht dafür eine flexible Aneignung gemeinsamer Räume. Begegnungen und alltägliche Tätigkeiten werden geteilt; der Umfang des Zuhauses verändert sich mit den Bedürfnissen seiner Bewohnerinnen und Bewohner.

Ein fliessender Übergang zwischen privatem und öffentlichem Raum
Ein fliessender Übergang zwischen privatem und öffentlichem Raum

Bewegungen in Bomun-dong lesen

Die Hochschulen rund um Bomun-dong, die Bomun-ro, der Uferweg und seine Brücken erzeugen Kreuzungspunkte alltäglicher Wege. Die Ziele werden als Honig, die Bewohnerinnen und Bewohner als Bienen verstanden. Anziehung, Abstossung und die Ausrichtung auf eine gemeinsame Bewegungsrichtung verändern direkte Wege und fördern Begegnungen. Ihre Spuren bilden eine Karte der Bewegungsfrequenz.

Anziehung, Abstossung und Ausrichtung als Bewegungsparameter
Anziehung, Abstossung und Ausrichtung als Bewegungsparameter
Karte der Bewegungsfrequenz in Bomun-dong
Karte der Bewegungsfrequenz in Bomun-dong

Von der Bewegungsfrequenz zum räumlichen Raster

Die Helligkeit der Bewegungskarte wird in Höhe übersetzt. Es entsteht eine geländeartige Fläche, die ein regelmässiges Raster verformt. In öffentlicheren Bereichen weitet sich das Raster, in privaten zieht es sich zusammen; dazwischen entstehen allmähliche Übergänge. Ein auf menschliche Bewegungen abgestimmtes Grundraster von 2 m × 2 m bildet die kleinste Wohneinheit. Kombinationen der verformten Einheiten erzeugen unterschiedliche Grössen und Grundrisse.

Prinzip der Verformung eines regelmässigen Rasters
Prinzip der Verformung eines regelmässigen Rasters
Räumliche Karte: Bewegungsfrequenz als Höhenprofil
Räumliche Karte: Bewegungsfrequenz als Höhenprofil

Grenzen vertikal erweitern

Die horizontale Ausdehnung eines Baukörpers festzulegen würde erneut eine eindeutige Grenze setzen. Deshalb wird die Grundfläche minimiert und die Masse aus den privaten Bereichen vertikal erweitert. Unter den angehobenen Volumen entstehen geschützte halbprivate Räume; Erschliessung, Tageslicht und Belüftung werden dabei mitgedacht.

Von der räumlichen Karte zur Anordnung der Wohnvolumen
Von der räumlichen Karte zur Anordnung der Wohnvolumen
Untersuchung horizontaler Grenzen
Untersuchung horizontaler Grenzen
Vertikale Erweiterung der Wohnvolumen
Vertikale Erweiterung der Wohnvolumen
Halbprivater Durchgang unter den Baukörpern
Halbprivater Durchgang unter den Baukörpern

Lebensraum über das Zimmer hinaus

Wege sind mehr als Korridore: Sie lassen sich flexibel aneignen. Horizontal offen und durch auskragende Volumen geschützt, werden sie durch Decks zum Lesen, Lernen, für Hobbys und Begegnungen ergänzt. Schlafen und Waschen erhalten minimale private Räume; öffentlichere Tätigkeiten können geteilt werden oder sich überlagern. Läden, Café und Coworking im Erdgeschoss sowie gemeinsame Küchen, Wasch- und Lesebereiche in den Geschossen unterstützen diese Nutzung.

Wohntypen aus Kombinationen des Grundrasters
Wohntypen aus Kombinationen des Grundrasters
Privatsphäre bei alltäglichen Tätigkeiten
Privatsphäre bei alltäglichen Tätigkeiten
Flexibler gemeinsamer Raum durch Auskragungen und Decks
Flexibler gemeinsamer Raum durch Auskragungen und Decks
Wohnanlage und Erdgeschossraum · Ansicht 1
Wohnanlage und Erdgeschossraum · Ansicht 1
Wohnanlage und Erdgeschossraum · Ansicht 2
Wohnanlage und Erdgeschossraum · Ansicht 2

Geschossgrundrisse und gemeinsame Räume

Grundriss der ersten Ebene
Grundriss der ersten Ebene
Grundriss der zweiten Ebene
Grundriss der zweiten Ebene
Grundriss der dritten Ebene
Grundriss der dritten Ebene
Grundriss der vierten Ebene
Grundriss der vierten Ebene
Gemeinsamer Raum zwischen den Wohnungen · Perspektive 1
Gemeinsamer Raum zwischen den Wohnungen · Perspektive 1
Gemeinsamer Raum zwischen den Wohnungen · Perspektive 2
Gemeinsamer Raum zwischen den Wohnungen · Perspektive 2

Das grösste Zuhause der Welt

Ein kleines Zimmer ohne eigene Küche oder Essbereich mag zunächst kein vollständiges Zuhause sein. Aus Sicht seiner Bewohnerinnen und Bewohner kann ein mit gemeinsamen Räumen verbundenes Zuhause jedoch weit über seine private Fläche hinausreichen. Der Entwurf beurteilt Wohnen nicht allein nach Fläche und Erscheinung, sondern nach den Möglichkeiten, den Alltag selbst zu gestalten und zu erweitern.

Gemeinsame Wege und Wohnvolumen · Gesamtmodell
Gemeinsame Wege und Wohnvolumen · Gesamtmodell
Minimaler privater Raum · Wohnungsmodell
Minimaler privater Raum · Wohnungsmodell
Baukörper und Erdgeschossraum · Modellperspektive
Baukörper und Erdgeschossraum · Modellperspektive

Mitwirkende

  • 2017 · Entwurfsprojekt für gemeinschaftliches Wohnen